• Welche Ladestation ist die richtige für mein Haus?

Welche Ladestation ist die richtige für mein Haus?

26.09.2019

E-Mobility – Parallel zur wachsenden Anzahl E-Fahrzeuge nimmt auch das Angebot an Ladestationen zu. Welche Ladestation passt zur eigenen Wohn- bzw. Parkplatzsituation? Wann genügt eine einfache Steckdose – und wann braucht es mehr?

Autos müssten eigentlich Stehzeuge und nicht Fahrzeuge heissen. Denn lediglich eine Stunde pro Tag werden sie bewegt und zur Fortbewegung von A nach B genutzt. Die übrige Zeit stehen die Autos in der Tiefgarage der Wohnüberbauung, in der Garagenbox neben dem Einfamilienhaus oder auf dem Firmenparkplatz. In der Schweiz werden täglich im Schnitt rund 40 km mit dem Auto zurückgelegt. Geschieht dies mit einem Elektrofahrzeug, bleiben ungefähr 23 Stunden Zeit, um die Kapazität für die nächsten 40 km wieder aufzuladen. Nutzt man zum Laden eine Industriesteckdose des Typs 63 (blauer Campingstecker) mit einer Ladeleistung von 3,7 kW, dauert es etwa vier Stunden, bis diese Kapazität wieder erreicht ist.

Schnell oder gemütlich laden?

Auf langen Autoreisen oder in den Ferien wird eine Schnellladestation benötigt, an der innert kurzer Zeit die volle Akkureichweite geladen werden kann. Für das Zuhause hingegen oder am Arbeitsplatz reicht eine Ladeeinrichtung für normales Laden (bis 3,7 kW) oftmals aus. Diese Tatsache hat einen massgeblichen Einfluss auf die Installationskosten der E-Ladeinfrastruktur. Demnach kommt man im Eigenheim oder an der Arbeit im Prinzip mit einer einfachen Industriesteckdose aus.

Verschiedene Lösungen fürs Mehrfamilienhaus

Dasselbe gilt für die Parkplätze oder Einstellplätze kleinerer Mehrfamilienhäuser oder von Bürogebäuden. Hier genügen einfache Industriesteckdosen – ergänzt mit einem externen Lastmanagement –, um die E-Autos zu laden, solange es nicht zu viele E-Fahrzeuge werden. Bereits mittels einfacher Steuersysteme kann ein beschränktes Lastmanagement betrieben werden, so dass der Hausanschluss nicht überlastet wird. Wählt man eine einfache Lösung über Industriesteckdosen, bringt der E-Autobesitzer das Ladegerät selbst mit und schliesst es an der Steckdose auf dem Parkplatz an. Dieses simple Vorgehen hat zwei Vorteile: Erstens passen Ladegerät und E-Fahrzeug immer zusammen. Und zweitens muss bei einem Mieter- bzw. Eigentümerwechsel auf dem Parkplatz keine Ladestation deinstalliert werden. Ausserdem entfällt eine allfällige ergänzende Vereinbarung zum Mietvertrag (bei Mietshäusern) bezüglich der E-Ladestation auf dem Parkplatz.

Etwas weiter als Industriesteckdosen gehen fix installierte Ladestationen. Überlastungsschutz und Fehlerstromschutzschalter (FI) sind darin integriert. Ebenfalls dabei ist die Steuerelektronik, die ein Überladen des Akkus verhindert. Der Zugang zur E-Ladestation erfolgt mittels Schlüssel oder Badge. Und die Stromabrechnung wird über die integrierte Software gelöst. Dem Lastmanagement sind fast keine Grenzen gesetzt – auch ein kurzfristiges schnelles Laden mit bis zu 22 kW ist möglich. Entsprechend höher fallen bei fix installierten E-Ladestationen die Einrichtungs- und allenfalls auch die Betriebskosten aus.

Zusatznutzen der Ladestation prüfen

Neben dem eigentlichen Ladevorgang gibt es weitere Kriterien, die bei der Wahl der passenden E-Ladeinfrastruktur von Bedeutung sein können:

• Abschliessbarkeit: Muss sichergestellt werden, dass die Ladestation nur vom betreffenden Eigentümer oder Mieter benutzt wird? In diesem Fall muss die Steckdose abschliessbar sein oder die Elektroladestation über einen analogen oder digitalen Schlüssel verfügen.

• Aufhängevorrichtung: Wird das Ladekabel von der Station entfernt und im Auto mitgeführt? Oder bleibt es vor Ort? Bei der zweiten Situation muss das Ladekabel auf einfache Art und Weise aufgehängt und allenfalls vor Diebstahl geschützt werden können.

• Zusätzliche Steckdose: Führt bereits ein Stromkabel zum Parkplatz, lohnt sich allenfalls die Installation einer zusätzlichen 230 V-Steckdose. Damit kann auf dem Parkfeld auch einmal ein Elektroroller oder ein E-Bike geladen werden. Ebenfalls lassen sich bei Bedarf ein Staubsauger oder eine Lampe einstecken. 

Sind spätere Erweiterungen möglich?

Unabhängig vom gewählten Ladesystem ist es ratsam, bei der Auswahl und Installation einer Ladestation stets den Endausbau im Hinterkopf zu behalten. Grundinstallationen – wie die Verteilung mittels Flachbandkabel zu den einzelnen Abstellplätzen – sollten im Vornhinein gut dimensioniert werden. Nämlich so, dass später mit verhältnismässig tiefen Kosten weitere Parkplätze nacherschlossen werden können. Gemäss Fachleuten sollte mit einem Endausbau von mindestens 60 bis 80 Prozent der Abstellplätze gerechnet werden.

Merkblatt

Einrichten von Ladestationen für Elektrofahrzeuge in Einstellhallen im Stockwerkeigentum/Miteigentum